Tim Tichatzki, dee Autor von "Roter Herbst in Chortiza".

Twee Frind em bloodjen Launt – Interview

Tim Tichatzki, dee Autor von "Roter Herbst in Chortiza".

Wie tjane dee Jeschichte en dee Jeschicht meist utwandich: Woo onse Grootellre unjre Machnowze liede deede, woo see unja Lenin aun Hunga to Grund jinje, woo see von Stalin en siene Jeheempolizei Tscheka terrorisieat worde. Dee Jeschicht haft nu Tim Tichatzki enn eenen biografischen Romaun kristallisieat. „Roter Herbst enn Chortiza“ ess em Brunnen-Verlag rutjekome.

Interview met dem Autor Tim Tichatzki ewa daut Bok „Roter Herbst in Chortiza“

FRIND: Onse Lesasch woat oppjefolle senne, daut See tjeenen mennonitischen Nome hawe. En trotzdem hawe See sich gaunz deep enne mennische Jeschicht ennjelote. Woo kaum daut doatoo?

Tim Tichatzki: Dee Famielje von miene Fru haft eenen mennonitischen Hinjagrunt. Miene Fru en etj hawe ons ver ewa 20 Joah tjane jeleht en ons enn Bielefeld befriet. Miene Schwieamutta wer it, dee ons vele Jeschichte ute eehemolje Sowjetunioon vetahlt haft. Daut Vetahle haft enne latzte Joahre stoatj toojenohme, ess woll eene Oat, daut Erlewde Trauma to veoabeide. Dee Reaktioone sent en were unjascheetlich. Vele Jeschichte haw wie soo foaken jehieat, daut maun se nich meeha hiere wull. Daut were je uck tjeene scheene Jeschichte. Aul goanich fe dee Ohre von onse to dee Tiet noch tjliene Tjinja. En to jlitja Tiet heet daut: Daut mott doch mol eena oppschriewe. Etj haw mie dan draunjemoakt, disse Jeschichte opptoschriewe, met dee Motivatioon, dee fe miene Tjinja opptobewoahre. Wan see oolt jenoch sent, om sich met dem Lewe von eahre Ooma uteeneentosate, woat dee woahrschienlich nich meeha aum Lewe senne.

„Mie imponieat, woo sich dee Mensche enn eahrem Gottesgloowe jeflicht hawe, om daut erlewde Onjemack to ewalewe.“

FRIND: Waut ess Ahn aune mennische Welt oppjefolle, waut haft Ahn besondasch imponieat, waut stieat ahn aune Menniste?

Tichatzki: Mie imponieat, woo sich dee Mensche enn eahrem Gottesgloowe jeflicht hawe, om daut erlewde Onjemack to ewalewe, en woo see vesocht hawe, aunem Prinzip vonne Jewaultloosichtjeit fausttohoole. Daut needijt mie vel Respatjt auf, wiels etj nich weet, off etj selfst doatoo enne Loag we. Aun Gott to vetwiewle, ess unja soone Omstend tjeen onjeweehnlicha Jedanke. To jlitja Tiet hindat dee doarut komende Frommichtjeit oba dee vondoagsche Generatioon doaraun, eahre ejne Erfoahrinje to moake. Hiea en vondoag jefft daut tjeenen Zwang, sonda Frieheit. Tjeenen Mangel, sonda Ewafluss. Daut brinjt gaunz niee Froage en Rutforderunge aun den Gloowe met sich en moakt aundre Auntwode needich auls dee, dee maun to dee Tiet enne Weela jefunge haft. Hiea wensch etj mie maunchmol meeha Openheit.

FRIND: Woo sent See aun daut Materiol fe disse Jeschicht jekome? Etj weet daut ut ejna Erfoahrinj: Maun hieat too, waut dee oole Lied vetahle en mott dan, wan maun daut Vetahlde enn eene schreftliche Form brinjt, vel Informatioone recherchiere, om den Hinjagrunt rechtich doatostale. Woo hawe See eahre Informatioone hea?

Tichatzki: Miene Schwieama we secha dee ritjste Tjwall, wiels see mie dee tjliene Lewensjeschichte vetahlt haft, dee enn tjeenem Jeschichtsbok to finje sent. Butadem stunne noch vel wiedre Anekdoote en Jeschichte, dee maun sich enne Famielje aum Koffedesch vetahlt, en von dee emma wada jesajcht woat, dee musst maun doch mol oppschriewe. Aunjefonge haw etj doamet, dee chronologisch to ordne, auftojlitje met aundre Tietzeugenberechte, soo aus maun dee uck oppe Websied chort.square7.ch finjt. Eenen deepen Ennbletj enn daut Lewe noh dee Revolutioon haud mie daut Bok von Dietrich Neufeld „Ein Tagebuch aus dem Reich des Totentanzes” vemeddelt. Eene wiedere omfangritje Chronik ewa daut Darp Osterwick haft mie Detailweete ewa daut konkrete Darpslewe vemeddelt, bit han to jenauere topografische Beschriewinje en Koate. Om dee Ära vonne Machnowze beta to vestohne, haft mie daut Bok „Räume des Schreckens” von Felix Schnell jeholpe. Dem grooten Entwetjlinjs­boage vonne Ukraine bit han tom 2. Welttjrich haft mie Timothy Snyder enn sienem Bok „Bloodlands” oppjewese. Om eenen Ennbletj enne Tiet vom Stalinismus to tjrieje, haft mie daut Bok „Stalin – am Hof des roten Zaren” von Simon Sebag Montefiore jeholpe. Doatoo kaum noch vel Ennstichslektüre, soo aus tom Biespell daut GEO-Spezial ewa Stalin. Doa haw etj vele Nomes oda Stichweda jefunge, disse dan em Internet recherchieat, en enn daut Bok ennjebut. Soo haw etj dem Hentja met dem Ladaschaldok jefunge, Wassili Blochin.

FRIND: Woo hawe See daut Faible tom Vetahle hea? Dem Klaupetatjst haw etj entnohme, daut See Diplomvoltjswet sent. Oba eena, dee soonen flissjen Stil haft aus See, haft doch nich moa Talent, sonda haft sich aul mol aun aundre Tatjste vesocht?

Tichatzki: Ne, daut ess wertjlich mien eschta Romaun. Etj vetahl jern Jeschichte, daut tjemmt mie secha toogoot. Oba jeschrewe haw etj noch nie enn dissem Omfang.

FRIND: Sette See aul aun eahrem neajchsten Romaun?

Tichatzki: Jo, dee woat oba secha noch twee bit dree Joah opp sich wachte lote.

Eene Lesarin: „Etj haw it jenote, jeleewt, bie vel Schilderunge meist Moagetjrampf jetjreaje, we deep betroffe en haw jehielt en jelacht.“

FRIND: Woont we dee Resonanz opp daut Bok. Doamet meen etj nich „goot“ oda „schlajcht“, oba: Waut betoone dee Lesasch, wan See ewa eah Bok rede?

Tichatzki: Dee meschte Resonanz tjemmt bit nu too von Nich-Mennonite. En doa ess derchwajch eene seeha deepe, oba positive Betroffenheit to speare. Dee meschte wisste nich wertjlich Bescheid ewa Stalin siene Greueltate. En derch dee Jeschicht von miene Schwieama word ahn daut soo drastisch ver Oge jefeht, daut vele noch Doag lota ewa daut Bok nohdentje. Eene Lesarin haft daut soo toopjefot: „Etj haw it jenote, jeleewt, bie vel Schilderunge meist Moagetjrampf jetjreaje, we deep betroffe en haw jehielt en jelacht.“
Von Mennonite tjrie etj uck gaunz unjascheedliche Reaktioone. Dee Jinjre sent bejeistat, wehrent dee Oole daut Bok kaum lese tjene. Too seeha vesat ahn daut tridj enn daut Erlewde. Daut deit ahn too weeh. En etj haw grootet Vestendnis, wan see daut Bok dan uck too Sied laje.

FRIND: Etj frei mie uck fe onse mennische Head, daut soo een Bok rutkaum. Grootet Kompliment! Oba etj well uck opprechtich senne, daut mie twee Sache nich soo goot jefolle. Uck wan etj dee Mennonite em Grooten en Gaunzen wada ertjan, fehlt mie oba doch dee plautdietsche Mentaliteet em Auldach en Meteenaunda.

Tichatzki: Etj selfst sie met dee plautdietsche Mentaliteet nich wertjlich vetrut. En mien Zielpublikum we je enn eschta Linie dee junge Generatioon, dee vonne Sitte en Jebräuche vonne Mennonite tjeene Ohninj haft. Doa mott maun dan aufweaje: Opp eene Sied dicht aum Original bliewe en to jlitja Tiet em Toon en Stil modern, doamet sich junge Mensche oppe Jeschicht ennlote tjene. Etj hop, daut dee Jeschicht uck soo bereht en wiedajedroacht woat.

„Daut ess aul een Wunda, daut mie dee Jeschicht soo enne Schoot jefolle ess.“

FRIND: Dee aundre Sach: Etj we aum Enj enttäuscht, daut Maxim eene Konstfigua ess, wiels dee Romaun je aus „noh eene woahre Jeschicht“ doajestalt we.

Tichatzki: Jo, daut kaun etj vestohne, tjrie daut uck velmol aus Tridjmaldinj. Etj nehm daut oba eeha aus Kompliment en nich aus Kritik. Schienboa ess dee Figua von Maxim seeha realistisch jetetjent. Daut ess aul een Wunda, daut mie dee Jeschicht soo enne Schoot jefolle ess. Butadem noch eene soo authentische Biografie von eenem „Täta“ to tjrieje … daut kaun etj mie nich veastale. Mie we wichtig, enne fiktive Figua von Maxim dee Secht vom „Täta“ doatostale. En dem historischen Kontatjst fe dee Stalindiktatua to leewre. Etj well oba betoone, daut it sich hiea nich om eene (oda twee) Biografiee haundelt, sonda om eenen biografischen Romaun. En een Romaun velangt aundre Stelmeddel aus eene Biografie.
Dee Froage stald Horst Martens

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